Was fördert die Qualität

von Politikanalyse?

(Volker von Prittwitz, Mai 2008)

Die Qualität von Politikanalyse hängt zunächst vom zugrunde gelegten Politikmodell ab. Dieses muss einfach genug sein, um umgesetzt werden zu können; andererseits muss es aber auch die Besonderheiten des jeweiligen Bereichs berücksichtigen. Politikanalysen stützen sich daher häufig auf bereichsspezifisch kommunizierte Modelle und entsprechend strukturiertes Wissen. Dies sichert nicht nur Fachqualifikation, sondern fördert auch die Anerkennung und mögliche Verbreitung der Ergebnisse einer Analyse bei jeweiligen Policy-Netzwerken. Netzwerke können die Allgemeinheit allerdings auch zumindest graduell ausbeuten. Daher empfiehlt es sich, nicht ausschließlich bereichsgenerierte Modelle und entsprechendes Wissen zu verwenden.  

In Analysen gehen, zum zweiten, immer auch mediale Techniken beziehungsweise Methoden ein. So werden in wissenschaftlichen Politikanalysen generell Methoden der qualitativen oder quantitativen Sozialforschung eingesetzt. Die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten hängt damit auch davon ab, wie geeignet das jeweils gewählte qualitativ-quantitative Untersuchungsdesign ist und wie kompetent es umgesetzt wird. Entsprechende Methodenanforderungen gibt es auch in anderen Medien der Politikanalyse, so in journalistischen Print- oder TV-Medien (journalistische Recherche-, Verarbeitungs- und Präsentationstechniken) oder in künstlerischen Analyseformen wie politischen Karikaturen, Comics oder Kabarett. Gerade in künstlerischen Bereichen können ästhetische Aspekte des Wie ganz in den Vordergrund gegenüber inhaltlichen Analyseaspekten treten.

Alle Formen von Politikanalyse stützen sich schließlich auf allgemeine Vorstellungen davon, was Politik ist und wovon ihr Verlauf abhängt. Wird eine stark verkürzte Politiksicht zugrunde gelegt, beispielsweise Freund-Feind-Denken, so sind entsprechend verkürzte, möglicherweise aggressionsförderliche Analyseergebnisse zu erwarten. Strukturieren gehaltreichere Modelle die Analyse, so wird dagegen ein breiteres Spektrum von Einflussfaktoren und möglichen Handlungsoptionen geprüft. 

 

Schlussfolgerungen   

Zusammengefasst hängt die Qualität von Politikanalysen von folgenden Faktoren ab: 1) der Entwicklung und Verbreitung leistungsfähiger allgemeiner Politikmodelle, 2) der Entwicklung und bestmöglichen Anwendung medienspezifischer Techniken, 3) ausreichender Spezialisierung. In Kenntnis dieser grundlegenden Anforderungen ergeben sich einige strategische Schlussfolgerungen zur Entwicklung von Politikanalyse:

A) Politische Theoriebildung, die die systematische Beschäftigung mit Politik über Jahrtausende dominiert hat, ist auch nach wie vor von großer Bedeutung. Hierzu muss sie aber über traditionale Spekulation hinausgehen und sich in der Form ihrer Formulierung und ihrer Kommunikationsweise konsequent Anforderungen empirischer Überprüfbarkeit stellen. Dies gilt auch für normative theoretische Aussagen.

B) Die Vorstellung, das Leistungsniveau wissenschaftlicher Analyse werde ausschließlich durch die Auswahl und Handhabungsweise empirischer Methoden bestimmt, ist als methodologisch verkürzte Fehlorientierung von Forschung und Lehre deutlich zu machen. Entsprechende praktische Fehlentwicklungen, so die weitgehende Ersetzung theoretisch ausgerichteter und praxisnaher Studiengänge durch abgekoppelte Methodenlehre, sind schnellstmöglich zugunsten integrierter Theorie-Methoden-Studiengänge zu korrigieren. 

C) Die Ausbildung zur Politikanalyse sollte konsequent Optionen der praxisnahen Spezialisierung einschließen. Bereichsbezogene Anforderungen und Netzwerke sollten dabei allerdings nicht verabsolutiert werden.

D) Mit der Ausdifferenzierung theoretischer, methodischer und praxisorientierter Lehreinheiten ergeben sich wachsende Kommunikationsanforderungen. Alle Teilbereiche der Politikanalyse sollten untereinander kommunikationsfähig und kommunikationswillig sein. Eine entsprechende Ausrichtung ist mit positiven und negativen Anreizen konsequent zu fördern.

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Der Autor, Prof. Dr. Volker von Prittwitz, lehrt Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin (Homepage: www.volkervonprittwitz.de)

Von ihm ist 2007 erschienen: Vergleichende Politikanalyse, Stuttgart (Lucius&Lucius/UTB 2871) http://www.utb.de/katalog_suchen_detailseite.jsp?buchid=1686